Microsofts neuer Browser »Spartan«

Vielleicht hätte jemand den Projektverantwortlichen bei Microsoft erzählen sollen, dass man sich ganz einfach den »Chrome« installieren kann, wenn man eine simplifizierende GUI wie beim »Chrome« haben möchte – sehr viele Windows-Anwender haben ja genau das bereits getan. Wer die Wahl zwischen Original und Nachbau hat, wird im Regelfall das Original bevorzugen; die Zeiten, in denen man mit abgekupferten Konzepten¹ anderer Systeme noch ganz groß am Markt werden konnte, sie sind vorbei.

¹Dass Diskettenlaufwerke immer noch »A« und Festplatten »C« heißen, hat zum Beispiel seinen Grund darin, dass diese MS/DOS-Konzepte von CP/M übernommen wurden und sich wie ein Gruß aus den Siebziger Jahren bis heute halten, und von dergleichen ist die schöne, bunte Welt von Microsoft voll. Seit jeher ist Microsoft ein Unternehmen mit einem bemerkenswerten Mangel an eigenen Ideen, aber einer bemerkenswerten Kraft im Zusammensetzen schon vorhandener Konzepte zu einem mit viel Reklame als neu verkauftem »geistigen Eigentum«.

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SINNESLØSCHEN: Nachmærz

Direktlink zum Stück bei Soundcloud (natürlich mit Download-Möglichkeit)…

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Google, du Arschloch! (Ein offener Brief)

Zunächst einmal die E-Mail, mit der Google im Moment sehr viele Website-Betreiber belästigt, die bei den Google Webmaster-Tools angemeldet sind¹:

Webmaster-Tools -- Beheben Sie Probleme der mobilen Nutzerfreundlichkeit auf https://www.tamagothi.de/ -- An: Webmaster von https://www.tamagothi.de/ -- Die Systeme von Google haben 153 Seiten Ihrer Website getestet und bei 100 % dieser Seiten kritische Fehler in Bezug auf die Nutzerfreundlichkeit auf Mobilgeräten erkannt. Die Fehler auf den 153 Seiten beeinträchtigen die Nutzererfahrung auf Mobilgeräten für Ihre Website deutlich. Diese Seiten werden von der Google-Suche als nicht für Mobilgeräte optimiert eingestuft, und werden entsprechend in den Suchergebnissen für Smartphone-Nutzer dargestellt. So beheben Sie die Fehler: -- 1. Problematische Seiten finden -- Rufen Sie einen Bericht mit Details zu den nicht für Mobilgeräte optimierten Seiten Ihrer Website sowie die jeweiligen Probleme auf. -- [Probleme anzeigen] -- 2. Für Mobilgeräte optimierte Layouts verwenden -- Es stehen zahlreiche Techniken zur Verfügung, mit denen Sie Ihre Website für Mobilgeräte optimieren können. Sehen Sie sich insbesondere die Informationen zu den in den Webmaster-Tools erwähnten Problemen näher an. -- [Richtlinien ansehen] -- 3. Probleme auf der Website beheben -- Beheben Sie die Probleme auf Ihrer Website, die die Nutzerfreundlichkeit auf Mobilgeräten beeinträchtigen.

Hallo, Google,

zunächst einmal: Ich benutze deine »Webmaster-Tools« mit einem Google-Konto, bei dem – gemäß deinen eigenen, selbstverfassten und in vielen Punkten schon recht unverschämten Nutzungsbedingungen – mein richtiger Name hinterlegt ist. Du bist also durchaus dazu imstande, mich anders als mit einem »Hallo Webmaster, hier spricht deine Große Technokratische Steuerzentrale« anzusprechen. Daten verarbeiten kannst du doch, Google, das ist doch – glaube ich – ähm… dein Geschäftsmodell.

Und nun zum Eigentlichen.

Ich gebe mir außerordentlich viel Mühe mit dem Kram, den ich ins Web publiziere. Ich achte auf fehlerfreies HTML und ferner darauf, dass alles nicht nur halbwegs ansprechend aussieht, sondern auch so einfach wie möglich ist (was bei Benutzung eines Biestes wie WordPress leider nicht ohne Kompromisse geht). Mit einem bisschen CSS lege ich ein paar unsichtbare interne Links zur Vereinfachung der Navigation, die nur dann sichtbar werden, wenn reine Textbrowser verwendet werden, um auch blinden und schwer körperbehinderten Menschen die Benutzung der Website zu ermöglichen und zu vereinfachen. Hier, auf meiner Homepage, verwende ich eine zugegebenermaßen etwas komplexe Navigation, die mit viel CSS eine Art Menüsystem implementiert – und biete eine auf der Startseite verlinkte Sitemap an, wenn jemand ein Gerät oder einen Browser hat, mit dem dieses in CSS nachgebaute Menüsystem schwer nutzbar ist. Auch das mache ich auf dem Hintergrund, dass sich eventuell körperbehinderte Menschen durch so etwas hindurchquälen müssen oder wollen². Ferner verzichte ich immer auf JavaScript, wenn es nicht unbedingt nötig oder aber wenigstens für meine Leser sehr praktisch ist (wie etwa hier in der Kommentarfunktion, um direkt eine Antwort auf einen Kommentar verfassen zu können), und wenn ich JavaScript verwende, achte ich immer darauf, dass die gesamte Site auch ohne JavaScript vollständig nutzbar bleibt.

Alles das müsstest du wissen, Google, denn du schaust hier ja recht regelmäßig vorbei und du machst sogar derart weitgehende Analysen, dass du nachschaust, wie eine Website auf verschiedenen Browsern und Geräten nutzbar ist – wie ich an deiner heutigen E-Mail gesehen habe³.

Ach ja, zu deiner E-Mail, Google! Ich bin wirklich ein bisschen ausschweifend geworden…

Wenn ich mich richtig erinnere, Google, machst du doch dieses »mobile« Betrübssystem namens Android. Du selbst, Google, bist also dafür verantwortlich, wie deine von dir selbst erstellte und in Android gepackte Browserkomponente die Web-Inhalte einem Android-Nutzer auf seinem Grabbelschirm darstellt.

Und du bist dabei nicht dazu willens oder imstande, Google, eine fehlerfreie und mit ungewöhnlich viel Gedanken auch an fernliegende Geräte und Hilfsmittel ausgezeichnete HTML-Ressource auf diesem von dir selbst erstellten Browsersurrogatextrakt einem Nutzer so zu präsentieren, dass sie gut bedienbar ist.

Und das drückst du dann im schönsten Technokraten-Ton in der Weise aus, dass du »bei 100 % dieser Seiten kritische Fehler in Bezug auf die Nutzerfreundlichkeit auf Mobilgeräten erkannt« haben willst. Um mir daraufhin die gutsherrschaftliche Aufforderung zu schreiben, dass doch bitte ich als »Webmaster« und dein höriger »Googlesklave« mir Gedanken darum machen soll, wie ich Websites an diese deine Unfähigkeit oder Unwilligkeit anpasse, weil du ja Herr bist und ich ein Nichts. Und um meine »Gehorsamswilligkeit« ein bisschen anzuspornen, ergänzt du diese an sich schon etwas unverschämt rausgerotze Forderung noch um die Drohung mit dem empfindlichen Übel, dass du meine Websites in deinen Suchergebnissen auf Ramschniveau runterstufen willst, wenn ich da jetzt nicht nach deiner Pfeife tanze.

Mit Verlaub, Google, du bist ein Arschloch von geradezu microsoften Ausmaßen!

Und du kannst mich mal genau da lecken, wo die Sonne niemals hinscheint!

Ich hoffe sehr, dass deine nach Gutsherrenart vorgetragene Unverschämtheit dazu führt, dass immer mehr Menschen sich darüber Gedanken machen, ob es eigentlich eine gute Idee ist, sich von dir, Google, und den ganzen von dir angebotenen Dienstleistungen allzu abhängig zu machen. Es soll ja Alternativen geben, die nur noch darauf warten, auch genutzt zu werden. Einem Laden wir dir, Google, dessen Verantwortliche so auftreten wie du in dieser kalt rausgerotzten und offen nötigenden E-Mail, tut nämlich nur noch eines weh: Wenn weniger Geld aufs Bankkonto kommt.

Völlig unerfreut und angekotzt von deiner Arschlochhaftigkeit

Elias Schwerdtfeger

Fußnoten

¹Der Hauptgrund, weshalb ich da angemeldet bin, ist, dass ich vor Jahren einmal erfolgreich gehackt wurde und in Zukunft gern Warnungen zugemailt bekommen möchte, wenn es jemanden gelungen ist, eine von mir verantwortete Website in eine Schadsoftware-Schleuder umzustricken, ohne dass ich das sofort bemerke. Ich möchte nämlich nicht, dass meine Leser gepwnt werden. Die sonstigen Warnhinweise sind aber auch oft praktisch.

²Seit ich vor einigen Jahren mehrfach erlebt habe, wie wichtig das Internet für Blinde ist und wie frustrierend es für einen Blinden sein kann, sich durch ein Design durchzuquälen, das von Sehenden für Sehende gemacht wurde, bin ich in solchen Punkten sehr aufmerksam geworden. Ich empfehle diese Aufmerksamkeit jedem Menschen.

³Ich bekomme derartige E-Mails schon seit Tagen für alle möglichen Projekte, und beinahe alles was ich hier schreibe, gilt auch für das von Google in gleicher Weise angemeckerte Projekt »Unser täglich Spam«.

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Wo Niemand Sich Erinnert

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Paid Content bei der Süddeutschen Zeitung

Das hat wohl gar nicht funktioniert mit dem Geldmachen mit dem in klandestinen Lobbyismus in den Dunkelkammern des Reichstages erwirkten Leistungsschutzrecht! Außer natürlich dafür, ganz viel Rechtsunsicherheit zu schaffen und ganz viele Websites zur Stilllegung zu nötigen, darunter auch die eine oder andere wissenschaftlich wichtige. Niemand hätte das vorhersehen können… :mrgreen:

Die »Süddeutsche Zeitung« hat sich dazu entschlossen, dafür Sorge zu tragen, dass ihre Website in Zukunft nicht mehr verlinkt wird – denn die dort überwiegend dargebotenen Agenturübernahmen gibts ja auch überall ohne spezielle Technikverhinderung zur Monetarisierung. Ich wünsche der »Süddeutschen Zeitung« bei diesem Unterfangen, an dem sich schon ganz andere erfolglos versucht haben, viel Erfolg!

Und eines noch:

Dem stellvertretenden SZ-Chefredakteur Wolfgang Krach zufolge habe die Entwicklung der nötigen Infrastruktur einen siebenstelligen Betrag gekostet

Wenn sie ein aufgepumpter Geldsack sind und eine Zeitung haben und jemanden dafür bezahlen wollen, dass er Leser (über Cookies, Browser-Fingerprints und dergleichen) identifiziert und die Nutzung gegen eine (für das CMS ja bereits vorhandene) Datenbank abgleicht, um gegebenenfalls eine »Gib-erstmal-Geld-Seite« einzublenden: Ich mache das auch für einen sechsstelligen Betrag. Dafür nehme ich dann aber auch keine Bullshit-Wörter wie »nötige Infrastruktur« in den Mund, sondern spreche ganz altmodisch von Code, Programmierung und Anpassung der vorhandenen Software nebst dem dafür erforderlichen Aufwand. Tatsächlich ist es so, dass ich schon hunderttausend Euro ein bisschen teuer dafür fände, obwohls gerade noch im Rahmen ist – wenn da bei der »Süddeutschen Zeitung« ein ganzer Mannmonat für Analyse, Konzeption und Implementation verwendet wurde, bedeutet ein Preis von einer Million Euro – das ist ja der angegebene Mindestpreis – dass die Arbeitsstunde mit rd. eintausendzweihundert Euro [!] eingekauft wurde. Und diese ganze Geldverbrennung nur dafür, dass jeder, der ein Zitat aus der SZ-Website mit einer Quelle belegen will, jetzt ein Bildschirmfoto machen und zusammen mit dem Zitat veröffentlichen muss, damit auch sichergestellt ist, dass jeder die angegebene Quelle überprüfen kann. Wie ultimativ bescheuert das doch ist!

Das Geld von Presseverlegern ist und bleibt dummes Geld – diese geben es eben lieber für überteuerte Technikverhinderung aus, als dafür, dass die Journalisten so entlohnt werden, dass sie von ihrer Arbeit auch leben können oder dass die Zeitungsausträger mit dem derzeit geltenden Mindestlohn entlohnt werden können. Das Ergebnis solcher Bestrebungen nennt man dann in der eigenen Propaganda »Qualitätsjournalismus«. :mrgreen:

Ich freue mich jeden Tag darüber, dass ich den Anfang vom Ende der Presse noch erleben durfte. Das Ansehen der daran beteiligten Menschen spiegelt die Vorgehensweise dieses Packs wider. Kauft euer Einwegprodukt doch einfach selbst!

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